Geburtserlebnis Part I.

Es war ein ganz normaler, hochschwangerer Freitag Morgen. Und eigentlich hätten wir wieder einfach einen ganz normalen Frauenarzt Termin gehabt, bei dem die Herztöne und Wehenaktivitäten gemessen werden sollte. Irgendwas fühlte sich jedoch anders an. In mir. Ich hatte ein ungutes Gefühl wieder nur zu meiner Frauenärztin zu gehen, da sie mir bei jedem Treffen das gleiche sagte: „Alles ist gut. Ich denke, dass wir uns nicht wieder sehen. Ich wünsche Ihnen alles gute“. Jedoch hatte sie mir diesen Satz nun schon seit einem Monat gesagt – auch mit der Vermutung, dass Frida ein großes Kind werden würde. Nachdem ich kurz auf dem Balkon frische Luft geschnappt hatte, sagte ich den heutigen Termin ab und sagte Rick, dass ich lieber ins Krankenhaus zur Untersuchung gehen möchte. So kam es dann ein paar Stunden später auch und ab da ging alles sehr schnell und alles zog surreal wie im Film an mir vorbei. Nach zwei Ultraschalluntersuchungen sagten uns die Ärzte, dass Frida zu groß ist — bzw. zu schwer — und somit eine normale Geburt aus ihrer ärztlichen Sicht zu gefährlich. Sie schätzen unsere Kleine auf 4500g. Sie empfahlen mir einen Kaiserschnitt, um mich und unsere Tochter nicht zu gefährden und um eine natürliche Geburt nicht zu einem Horrorerlebnis werden zu lassen. Diese Auskunft machte mich sehr traurig, da ich eigentlich unbedingt eine normale Geburt haben wollte. Die wirklich ganze Erfahrung des Kinderkriegens miterleben zu können. Rick und ich sind zum nachdenken eine kleine Runde im Volkspark Friedrichshain spazieren gegangen, um anschließend den Ärzten eine Entscheidung unsererseits mitzuteilen, was wir auch eine halbe Stunde später taten. Wenn es wirklich so gefährlich sein könnte und Frida vielleicht eine Schultereruption erleiden könne, würde ich mich auf den Kaiserschnitt einlassen. Ich dachte, dass er dann irgendwann in den nächsten Tagen durchgeführt werden würde. Auch diesbezüglich hatte ich mich getäuscht. Nachdem ich den Ärzten unser Entscheidung mitgeteilt hatte, sagten diese mir, dass wir mit dem Kaiserschnitt nicht mehr warten könnten und dieser noch am selben Abend gemacht werden solle. Ab dem Zeitpunkt stand fest: Ich werde noch heute, am 09.02.2018 Mutter von unserer Tochter werden.
Wir fuhren kurz nach Hause, um die Sachen für einen Krankenhausaufenthalt zu packen — bzw. meinen schon gepackten Koffer einzusammeln — und waren dann direkt wieder auf dem Weg ins Krankenhaus. Dort wurden wir erst einmal nicht so schnell wieder erwartet, weshalb wir draußen im Flur warten mussten. Und warten und warten. Während die Gedanken und Gefühle, Sorgen und Ängste und natürlich die Aufregung und Vorfreude in mir umherschwirrten. Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommen würde und diese Unwissenheit machte mich innerlich wirklich nervös. Ich wusste nichts, außer dass unsere Kleine heute zur Welt kommen würde. Rick ging es wie mir, dennoch versuchte er seine Aufregung runterzuspielen und ganz entspannt zu bleiben.
Irgendwann wurden wir abgeholt und in den Kreissaal gebracht. Ein schönes kleines Zimmer mit warmen gelborangenen Farben— mit einem Bett, einem Badezimmer, einer Geburtsschaukel und anderen kleinen Hilfen, um sein Baby auf die Welt zu bringen. Unser Hebamme kam — ich glaube sie war Griechin oder Kroatin — und erklärte uns nun den Ablauf und brachte uns die Krankenhauskleidung, die wir für den Kaiserschnitt anziehen sollten. Leider verstand ich sie nicht allzugut, da sie nur gebrochenes Deutsch geredete. Diesen Punkt konnte ich noch auf meine Nervositätsliste hinzufügen.

Ich wollte doch so gerne alles verstehen, obwohl ich heute eigentlich gar nichts um mich herum realisierte und verstand. Nachdem wir uns umgezogen hatten und noch spaßige Erinnerungsfotos machten, so als würde heute eigentlich nichts passieren, schloss mich die Hebamme wieder an den Monitor, der meine Wehen und die Herztöne von Frida überwachte. In einer halben Stunde holen sie mich ab, sagte sie mir. Rick würde dann ca. 15 Minuten später dazukommen. So saßen wir da nun die nächste halbe Stunde. Die Anspannung lag in der Luft und doch spürten wir sie nicht, weil sich alles so surreal anfühlte. So als würde dieser Tag nicht von mir gelebt werden, sondern mir einfach nur erzählt werden und ich würde währenddessen mit einem Kaffee in der Hand auf dem Sofa sitzen, mir diese Geschichte über den ach-so-normalen Freitag anhören und dabei ab und an nicken und „Ah“, „Oh wow“ oder „Oh man“ antworten.

Dann wurde ich abgeholt und Rick bekam seinen letzten Kuss zu Zweit.

Ein

Abschiedskuss zum Lebens als Paar. Den nächsten Kuss würde er bekommen, wenn wir eine Familie geworden sind.

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